Wohl wenige von den Reisenden, die in ihren Bussen und Autos von der ungarischen Grenze herkommend Mühlbach durchfahren, wissen, das sie an einem Schmuckstück siebenbürgischen Kirchbaus vorbeifahren und einen Blick auf einen der größten und wertvollsten Altäre südöstlich von Wien werfen könnten. Dabei erzählt die Mühlbacher Stadtpfarrkirche dem Betrachter nicht nur ihre eigene Geschichte, sondern auch die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner.

Ihre Anfänge gehen zurück auf die Einwanderung der Kolonisten, die in der zweiten Hälfte des 12 Jh. am linken Ufer des Mühlbachs eine Siedlung gründeten. Inmiten eines bereits bestehenden Friedhofs wurde um das Jahr 1210 eine turmlose dreischiffge romanische Pfeilerbasilika errichtet. Reste dieser alten Kirche sind bis  heute in den rundbogigen Arkaden des Mittelschiffes erhalten geblieben, ebenso die Untergeschosse zweier Westtürme, die ebenfalls in der romanischen Bauperiode der Kirche um 1235 hinzugefügt wurden.
Nachdem die Kirche möglicherweise durch einen Mogolensturm in den Jahren 1241-1242 zerstört wurde, begann um das Jahr 1255 ein Umbau der Kirche im Stil der Zisterzienser Frühgotik. In dieser zweiten Bauphase unter der Anleitung von Baumeistern aus Kerz wird das Gotteshaus erhöht und das Hauptschiff erhält ein Kreuzrippengewölbe, dessen Gewölbrippen denen der Kerzer Zisterzienserabtei ähneln. Es werden eine Sakristei an der Nordseite und ein geschlossener Kapellenraum  an der Südseite angebaut, die im Zuge weiterer Umbauten jedoch wieder abgetragen wurden. Auf die zweitürmige Westfassade wurde verzichtet und an ihrer Stelle ein zentraler Glockenturm gebaut.
In dieser Form hat die Kirche ungefähr 100 Jahre lang gestanden, als die gute wirtschaftliche Lage der Stadt die Bürger veranlasste, ihre Kirche zu vergrößern.
Obwohl bekannt ist, das Mühlbach damals ein blühendes Gewerbe besaß und lebhaften Handel bis weit jenseits der Karpaten betrieb, so das es in der Zunftregulation von 1376 an dritter Stelle unter den Sachsenstadten genannt wurde, ist es dennoch erstaunlich, an welche Größenordnungen man sich in dieser dritten Bauphase von 1370 -1382  heranwagte;- der Chor der Kirche mit 28,5 Metrn Länge, 13, 7 Metern Breite und 15 Metern Höhe wurde zu einem der größten in ganz Siebebbürgen. Die Vollendung der Vergrößerung  der Kirche im gleichen Stil und entsprechenden Maßen sollte allerdings nicht mehr gelingen, da ein schrecklicher Türkenangriff im Jahr 1438 durch Sultan Amurath II die Stadt zerstörte und entvölkerte. Die Türkengefahr nährte wohl auch den Enschluß, das Augenmerk in Zukunft mehr auf den Ausbau der Befestigungsanlagen zu lenken.  Erst 15 Jahre später, in den Jahren 1453-1464 konnten die Arbeiten wieder aufgenommen und der bereits begonnene Lettner im spätgotischen Stil fertiggestellt werden. Da die Mittel zur Vergrößerung des Kirchenschiffes nicht mehr reichten, wurden die beiden Seitenschiffe der alten Kirche erweitert und erhöht und mit dem gotischen Chor verbunden, um so die Diskrepanz zwischen dem großen Chor und dem kleineren Mittelschiff zumindest einigermaßen auszugleichen.
Wenn auch durch die Ungunst der Zeit der Neubau ein Torso blieb, so erhielt die Mühlbacher Kirche dennoch einen Chor, der mit seiner vollendeten Harmonie der Massenverhältnisse und mit seiner wunderbar durchempfundenen Raumwirkung unter den zahlreichen Kirchen der siebenbürgischen Hochgotik nach Seinesgleichen sucht. Als Lokalpatriot darf man da sicherlich dem bedeutenden siebenbürgischen Kunsthistoriker und ehemaligen Mühlbacher Pfarrer  Viktor Roth Recht geben, als er schrieb: Mögen andere Gotteshäuser größer und, was den Schuck der Außenseite anbelangt mit mehr Aufwand ausgestattet sein, das Bild des Inneren dieses Chores gehört zu dem Köstlichsten, was die Gotik überhaupt geschaffen hat.“
(D. Viktor Roth – Die ev. Kirche A. B. in Mühbach, Verlag W. Krafft in Hermnannstat 1922, S. 17)
Weitere Arbeiten der kommenden Jahrhunderte dienten dazu, die Kirchenschiffe und den Chor in bestmöglicher Weise miteinander zu verbinden, es blieb jedoch ein Unterschied hinter dem man einen theologischen Gedanken vermuten kann; - wer den Gottesdienst besucht, der blickt immer aus dem weltlichen Dunkel des Kirchenschiffes in das göttliche Licht des heiligen Raumes. Dieser Blick war in der katholischen Zeit noch durch den Lettner verbaut, von dem heute nur die beiden Seitenteile stehen. Sein mittlerer Teil wurde vermutlich kurz nach der Reformation in Siebenbürgen abgetragen, um auch den Blick auf das Wertvollste der Kirche freizugeben: -den  großen Schreinflügelaltar aus der Renaissancezeit.
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