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Der Mühlbacher Schreinflügelaltar aus der Renaissancezeit wurde zwischen 1518-1523 fertiggestellt und von vielen Kunsthistorikern Veit Stoß dem Jüngeren zugeschreiben, dem Sohn des berühmten Nürnberger und Krakauer Bildschnizters.
Im Altarschrein ist vor einem Hintergrund aus Golddamast der Stammbaum Christi dargestellt, zusammen mit krönenden und anbetenden Engeln. Am Boden des Schreins liegt der schlafende Isai, der Vater des Königs David, aus dessen Stamm einem Wort des Propheten Jesaja zufolge ein Reis entpringen sollte. Dieser Reis ist hier ein Baumstamm dargestellt, auf dem die Madonna mit dem kleinen Jesuskind steht, während die Könige des Davidsgeschlechtes, zu erkennen an ihren Kronen und Zeptern, sie wie eine Baumkrone umgeben.
Auf den Innenseiten der Altarflügel sind die Bilder im Gegensatz zu den Rundplastiken des Schreins im Relief geschnitzt. Es handelt sich um Szenen aus des dem Leben der Maria und aus der Kindheit Jesu; Verkündigung, Maria und Elisabeth, die Anbetung durch die drei Weisen und die Beschneidung. Die Außenseiten der Flügel weisen acht Tafelgemälde auf; die vier inneren Gemälde haben als Thema das Leben der heiligen Sippe um die Zeit der Geburt Jesu, während die äußern Gemälde die Ereignisse um Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt und Ausgießung des heiligen Geistes mit Nebenszenen darstellen.

Erwähnenswert im Inneren der Kirche ist die spätgotische Steinkanzel, an deren Stirnseite ein Relief aus Sandstein gemeißelt wurde. Es zeigt den im Grabe stehenden Heiland, in der linken Hand die Weltkugel haltend, während auf dem Sargdeckel noch die Marterwerkzeuge liegen. Eine solche Darstellung des Heilandes, auf der Mühlbacher Kanzel mit ziemlich großer anatomischer Korrektheit gearbeitet, nennt man im Volksmund den „Erbärmdemann“. Der Schalldeckel ist ein Erzeugniss des formfrohen Barockstils des 17 Jahrhunderts.
Die heutige Orgel ist von den Gebrüdern Rieger aus Jägerndorf im Sudetenland im Jahre 1893 fertiggestellt worden. Sie ersetzte eine dreiteilige Orgel des Hermannstädter Orgelbauers Johannes Hahn aus dem Jahr 1760, die wohl nach mehr als 130 Jahren den Ansprüchen nicht mehr genügte. Heute befindet sich im Chor der Kirche wieder eine Orgel von Johannes Hahn, die aus der Gemeinde Rosch nach Mühlbach gebracht wurde, um restauriert zu werden.

Von kulturgeschichtlichem Interesse ist auch ein Schand- oder Bußstein, der früher wohl in der Sakristei der Kirche aufbewahrt worden ist. Er ist aus einem fast 15 kg schweren Alabasterstück angefertigt, mit Lasterfratzen „geschmückt“, und wurde mir einer Eisenkette denjenigen Personen um den Hals gehängt, die wegen Sittenlosigkeit zur Strafe des Prangerstehens verurteilt worden sind.
In den Jahren 1961-1964, also in den Anfangsjahren des Kommunismus, wurden an der Kirche gründliche Restaurierungsarbeiten vorgenommen, die dazu beigetragen haben, das sie heute in einem guten Zustand vorfindbar ist, wenn auch wieder einige Ausbesserungen fällig werden.
Während dieser Restaurierungsarbeiten, an denen auch nahmhafte siebenbürgische Historiker beteiligt waren, ist man bestrebt gewesen, spätere stilwidrige Anbauten zu beseitigen und das ursprüngliche Bild der Kirche widerherzustellen. So wurden während dieser Zeit unter Anderem eine 1873 gebaute Sakristei, eine aus Ziegelsteinen gebaute Orgelempore von 1756 und die Vorbauten der beiden den Südportale entfernt.
Unseren Fachleuten guten Willen und reifliche Überlegung unterstellend, darf dennoch gesagt werden, das vielleicht jüngere Generationen auch auf diese Werke des 17, 18, und 19 Jahrhunderts neugierig gewesen wären. So ist die Kirche heute ein bedeutendes Zeugnis romanischer und gotischer Baukunst, aber auch der Schaffenskraft und des Glaubenseifers ihrer Erbauer - der Mühlbacher Bürger und Bürgerinnen.
Architektur und Kulturgut